Texts
26 March 2014

Eyal Pinkas is a photographer, holding a masters’ degree from the Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem and a bachelor’s degree from the Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam. His studies in Europe resulted in themes of alienation and detachment alongside the internalization of abstract and textural photography, raising typological questions on the essence of photography itself. Pinkas’ latest body of work corresponds with the advertising world and explores cheap objects and goods, which as photographic representation get elevated in the semantic space of culture.

On the edges of surrealism, Pinkas creates delicate and meticulous compositional installations of objects and life-like sets, encompassing suggestive anomalies, such as solid colors or variable textures. His photography is brought to the verge of the abstract in certain points, successfully elevating the photographic language beyond the documentary and emotional aspects, which usually tie it to the immediacy of our world. The minimal shifts seemingly demolish the entire set up, exposing its lack of base. Despite the complete lack of human presence in his photos, Pinkas selects the objects for his images out of anthropological interest, examining the concepts and lifestyle of certain cultures. He photographs packages of goods, processed foods, cookware, and household items. Similar to an archeological photographic documentation, he brings the items into the studio, lighting them artificially, thus dramatizing them pseudo-scientifically. Pinkas plans each aspect of the shoot, constructing a festive faux universe, which actively takes part in the worship of the photographed object, while simultaneously ridiculing it. Pinkas’ preparation for his work commences long before the actual moment of photographing: he chooses, constructs, assembles and creates a structural set up, which will eventually become the object of the image. In fact, Pinkas is also a sculptor who directs objects in a space similar to a director working with actors on a movie set.

However, indirectly, beyond the artificial formulae, a world of need is created, in which the object is a myth devoid of meaning and man rotates around it in an invisible orbit, out of the frame.

Text: Tali Tamir, taken from the Young artist award catalogue, 2012.

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Eyal Pinkas (b.1980, Haifa, Israel) is a photographer and video artist based in Amsterdam. In his recent work, the artist takes everyday objects such as chairs and mattresses and dexterously manipulates them into fantastical yet elegant compositions, which he then photographs. The camera becomes the means by which to document these studies into the alternative identity of objects. By releasing these everyday pieces of furniture from their domestic responsibilities, Pinkas is transgressing traditional systems of classification and offering up alternative and compelling environments.

‘The Landing’ (2007), is a series of four photographs taken in different bedrooms, each featuring a physically contorted, displaced mattress. The wooden bed frame has similarly renounced its function and becomes another prop in a comic domestic adventure. In one of the photographs the mattress is impaled upon wooden pickets, in another the mattress bows and wedges itself comfortably within its tailor-made station. Under Pinkas’s scrutiny, in ‘The Landing’ such a graceless and unmanageable object becomes full of potential. It could equally be a landing pad prepared for an unknown arrival, or it has just landed, an awkward spacecraft that has somehow manoeuvered itself into in its wall-papered hangar.

The often humourous quotidian theatre Pinkas stages within his photographs shares much of the lateral strategy and inventiveness associated with Richard Wentworth and Fischli & Weiss. Underpinning Eyal Pinkas’s photographs of playful, idiosynchratic assemblages is a logic by which the artist systematically studies the shifting identity of objects and subtly changes our understanding of them.

Eyal Pinkas completed his BA at the Gerrit Rietveld Academy, Amsterdam (2003-2007). In 2008, his work was included in ‘New Visions’, Kunsthaus Essen, Germany; ‘F/Stop’, 2nd International Photography Festival, Leipzig; ‘The Polaroid Show’, The Apartment Gallery, Amsterdam and he completed a site specific video installation at Ketelhuis, Amsterdam as part of ‘Filmisreal’, Israeli Film Festival.

 

Text: Leigh Robb, Taken from Saatchi Online Critic’s Choice, 2009.


Eyal Pinkas Fotografien basieren auf dem Verhältnis von realem Raum zum
fotografischen Raum und den durch das menschliche Auge sowie die
Sehgewohnheiten vorgegebenen Bedingungen der Wahrnehmung des Räumlichen
im Zweidimensionalen.
Seine Arbeitsweise greift unter anderem auf digitale Systeme zur Berechnung von
Bildräumen zurück und kombiniert diese mit Studiosets aus dem Bereich der
Produktfotografie.
Er ist nicht daran interessiert Dinge abzubilden, sondern beschäftigt sich mit den
Möglichkeiten und den Techniken des Fotografischen. Bei seinem Vorgehen steht
somit im Vordergrund etwas Neues zu entwerfen und nicht etwas Vorhandenes zu
reproduzieren, selbst wenn Gegenständliches eindeutig zu erkennen ist.
Pinkas nutzt zumeist Alltagsobjekte, häufig Massenprodukte aus Plastik, wie
Gießkannen, Crocs-Schuhe, Verpackungen, Kinderspielzeug oder auch
Schaltautomaten aus der Elektroindustrie. Diese arrangiert er sehr präzise: jeden
Aspekt des Fotografierens plant er akribisch.
Wir alle nutzen die Techniken digitaler Fotografie, machen uns jedoch selten
Gedanken darüber warum und wie etwas funktioniert. Unsere Bilder sind scharf,
geben in etwa die Farben wieder, die wir auch gesehen haben und wenn wir die
gespeicherten Fotos bearbeiten wollen, dann steht uns hierfür eine Vielzahl von
Programmen zur Verfügung. Pinkas greift, auf solche digitalen Systeme zur
Berechnung von Bildräumen zurück und wendet sie auf Studiosets aus dem Bereich
der Produktfotografie an.
Dadurch erreicht er beispielsweise in der Arbeit „Alternativer Frühling“ eine Art
Allansichtigkeit des Objekts. Handelsübliche Gießkannen hat er jeweils in Stücke
zerlegt, dann jedes Element einzeln fotografiert und im Anschluss die einzelnen
Elemente digital zusammengesetzt. Hierdurch entstehen Verschiebungen und
unterschiedliche Transparenzen. Ein wenig erinnert das Ergebnis an kubistische
Darstellungen der klassischen Moderne: mit einem Blick sollten alle drei
Dimensionen und zugleich die Lage des Objekts im Raum in zweidimensionaler
Darstellung zu erfassen sein. In gewissem Sinne sind die Kannen also nackt, sie
entblößen sich, zeigen alles, was sie sind. Ihre kräftige Farbigkeit entspricht
derjenigen, durch die man Massenwaren im Allgemeinen auszeichnet, um sie zu
etwas Besonderem zu machen.
Der Garten durchzieht bei Eyal Pinkas Arbeiten als durchgängiges Thema.
Möglicherweise ist es der gestaltete Naturraum, für den er sich interessiert: sei es in
Form der Gießkannen, wie in der Arbeit „Alternativer Frühling“ oder auch in den
Serien „Tings that people should have as sculptures in their backgardens“ und in
„Wooden Gardening“.
Mit „Tings that people should have as sculptures in their backgardens“ macht Pinkas
bildhafte Vorschläge für die jeweils passenden Skulpturen in einer Gartenumgebung.
Hierbei collagiert er Aufnahmen, die vor Ort in verschiedenen Gärten entstanden sind
mit solchen, die er im Studio inszeniert hat und untersucht so das Verhältnis von
Modell und realem Raum. Alltagsgegenstände werden in ihrer Objekthaftigkeit wie
eine Skulptur behandelt, in der Überlagerung der identischen fotografischen
Perspektive auf die jeweilige Größe des Gartens sowie der ihn umgebenden
Architektur skaliert und in den Bildraum eingefügt.
In „Wooden Gardening“ seziert Pinkas Spielzeugfrüchte aus Holz und positioniert sie
vor einem Set hölzerner Texturen, von verschiedenartig gewachsenen, gestalteten
oder Holz imitierenden Fliesen, Panelen und Bodenbelägen. Der gestaltete Bildraum
lässt den Betrachter im Unklaren: sowohl über die Größenverhältnisse als auch über
den Raum. Selbst.
Nicht nur in den bislang beschriebenen Arbeiten seziert und zerlegt Pinkas. Das
Auseinandernehmen und neu Zusammensetzen durchzieht fast alle seine Arbeiten.
Somit befragt er nicht nur den Raum, sondern immer auch die Formgestalt der
Dinge. Oft sind es wie gesagt Alltagsgegenstände. Pinkas verleiht Ihnen
Einzigartigkeit und Charakter. In „Greenhouse“ beispielsweise zerlegt der Künstler
ein Kleingewächshaus und setzt es in vielfachen Variationen wieder zusammen.
Diese wurden eigens für den Augenblick der fotografischen Aufnahme konstruiert.
Die temporären Skulpturen erinnern an Insekten, die ihr Inneres nach außen kehren
– ganz so wie es bei den Gießkannen in „Alternativer Frühling“ zu beschreiben ist.
Pinkas künstlerische Beschäftigung mit temporären Raumskulpturen reicht in seine
Zeit an der Gerriet Ritveld Akademie in Amsterdam zurück. Während seines
Studentenjobs in einem Hotel schichtete er über Nacht die Einrichtungsgegenstände
des Frühstücksraums immer wieder neu übereinander und lotete hiermit die
Möglichkeiten der Objekte im Raum aus. Ähnlich geht er in der Arbeit „the landing“
vor, aufgenommen in verschiedenen Schlafzimmern, wo Matratze und Bettgestell zur
Skulptur werden. In der Abfolge der Aufnahmen innerhalb der Serie, erinnern diese
an die Landung eines interstellaren Raumschiffes.
Die Arbeiten von Eyal Pinkas stellen unsere Wahrnehmung von fotografischen
Bildern auf die Probe. Das erreicht er durch Zitate aus der Produktfotografie und dem
Zusammenspiel von realem Raum und Modell. Beim Betrachter entsteht eine
Irritation über Größenverhältnisse und nicht zuletzt über die Orientierung in digital
errechneten Räumen.

A text by Stefanie Kleinsorge on the occasion of the exhibition:

‘TWO EXHIBITIONS – PHOTOGRAPHIC WORKS’
Daniel T. Braun / Eyal Pinkas
10. September 2017 um 11 Uhr, Galerie UP ART Neustadt a.d. Weinstraße